So ein Tag als Verantwortliche in einem Bereich, nehmen wir mal Informatik (das bietet sich gerade so an), ist doch sehr komplex. Ich habe heute in Rorschach von Heidi Paulsen und Theo Byland einige Inputs zum Thema Beratung und Coaching mit auf meinen Weg genommen. Ich habe vier Ohren. Das habe ich heute erfahren. Nicht nur zwei äusserliche, es sind vier. Ein Ohr übernimmt die Sachebene, ein anderes die Selbstkundgabe, das dritte Ohr die Appellseite und das vierte noch die Beziehungsseite. Alles was ich höre und wahrnehme, kann ich über eines dieser Ohren aufnehmen und so verschieden verstehen. Die Konsequenz daraus ist, dass ich je nach Ohr auch anders handle.
Ich versuche im Alltag das Lehrerteam an meiner Schule zu unterstützen, den einzelnen bei Problemen im Bereich Informatik zu helfen: das ist mein Job als Berater. Das ist auch meine Aufgabe, die ich jeden Tag von Neuem angehe, ob ich nun will oder nicht.
Empathie ist hier sehr wichtig. Dabei ist es essentiell, sich in die Lage der Rat suchenden Person zu versetzen. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen Welt. Wir sind zwar alle hier auf der Erde, doch der Blickwinkel ist bei allen anders. Wichtig ist es aber, das Problem des Rat zu suchenden ernst zu nehmen und darauf einzugehen. Nun ist es aber auch meine Aufgabe, mich selber zu erkennen. Wie stehe ich dazu? Einerseits will ich meinen Job gut machen, andererseits auch auf mich selber achten. Welche Seite ist jetzt stärker, wie gehe ich mit meiner Energie um? Wer sich selber gut kennt, ist sicherlich wachsamer um mit seinen Ressourcen umzugehen. Dies empfinde ich als grosse Herausforderung.
Was nehme ich daraus mit? Ich will mir selber auf die Schliche kommen… Warum reagiere ich genau so? Warum setze ich keine Grenzen? Was will ich mit meiner Hilfe bezwecken? Das Thema Abgrenzung finde ich sehr interessant. Sich abgrenzen ist sehr wichtig. Wie weit bin ich beispielsweise in einer Schulpause dafür verantwortlich alle kleinen Fragen der Teammitglieder zu beantworten oder anzunehmen. Darf ich zuerst meinen Tee in Ruhe trinken? Hier gerate ich öfters in ein Dilemma. Ein Teilnehmer des CAS hat heute gesagt, dass es eine Möglichkeit ist im Schulzimmer zu bleiben um diese vier Ohren gänzlich zu verschliessen. Ist das eine Option? Wie weit kann ich das machen ohne mich auf die Länge abzugrenzen? Natürlich ist das in Ausnahmesituationen möglich, schliesslich ist es “menschlich”.
Am Nachmittag haben wir in Vierergruppen unser Schauspielerisches Talent beweisen können… Wir hatten die Aufgabe eine vorgegebene Situation zu spielen. Dabei gab es die Rolle des Beraters und die Rolle eines Lehrers, der Probleme mit der Umsetzung des Bereichs Informatik im Lehrplan hat und überfordert ist. Die Aufgabe entpuppte sich als schwierig, da wir uns zuerst einigen mussten, wer sich vor der Kamera präsentieren soll. Nachdem sich zwei (hm…) mehr oder weniger freiwillig dieser Herausforderung stellten, war es doch noch spannend sich einmal in so eine schwierige Lage hineinzuversetzen. In der Rolle als Berater hat man einen vielschichtigen Job. Auch die Diskussion anschliessend im Plenum war äusserst spannend. Die gleiche Situation wurde uns nämlich von drei verschiedenen Gruppen gezeigt. Die Lösungsansätze waren alle sehr ähnlich und doch war die Umsetzung verschieden. Schwierig ist es sicherlich, sich abzugrenzen in einer solchen Situation. “Sachlich” bleiben wird plötzlich zu einer Hürde. Es ist ein sehr anspruchsvolles Unterfangen. Eine Patentlösung gibt es dafür sicherlich nicht. Ein Tipp wäre vielleicht den Berg in kleinen Etappen zu nehmen. Schritt um Schritt…